"»Ich verbanne dich aus dieser Welt, Dämon, und verlange im Namen Gottes –«
Weiter kam er nicht. Er kam nie weiter. Die Kreatur stieß ein Kreischen aus, das der Todesschrei des armen Geschöpfes sein musste, das es beherrschte, und warf sich dann nach vorne. Aber diesmal war er vorbereitet und stieß sich zur Seite ab, ließ sich fallen, und in jenem Augenblick, in dem sie auf einer Höhe waren, drückte er ab und spürte den Rückstoß seiner Waffe im Schultergelenk als stechenden Schmerz. Den Augenblick eines Herzschlags lang sahen sie sich an – der Mann mit dem fleckigen Dreitagebart und die schwarzen, in dämonischer Verwunderung aufgerissenen Augen der Kreatur.
›Du hast es‹, schnitt ein Gedanke wie ein Befehl durch seinen Geist und ließ keinen Raum mehr für Zweifel oder Angst. Die Kreatur brach nach vorne, stolperte über die eigenen langen Gliedmaßen, über die eigenen Beine und riss das stinkende Fleisch von den Knochen.
›Kutscher, sei vorsichtig‹, war der nächste Gedanke, der ihn durchfuhr, und die Fremdheit in seinem Kopf wurde so viel, dass er sich vornüberbeugen und kotzen wollte. Wie er das hasste. Die braunen Augen waren nur noch schmale, wachsame Schlitze, mit denen er das Geschöpf betrachtete, aufmerksam auf jede verräterische Bewegung achtend. Aber die Kreatur keuchte und stöhnte nur, wieherte laut und tief, und im gleichen Moment nahmen die Ohren des Kutschers eine Dissonanz wahr, die in seinem Kopf nachhallte, als wäre er eine Glocke. Er hasste diesen Teil. Hasste ihn.
»Nimm mich«, flüsterte die Dissonanz, und mit jedem Schritt, den er auf die zerbrochene Kreatur zuging, veränderte die Stimme Tonlage und Resonanz, als wäre sie nur ein Instrument, das beliebig ausgetauscht werden konnte."
“Der Kutscher” von Bianca Mödersheim